GAZA, 17.05.2021 (DK)

Nach über 3000 gefeuerten Raketen auf Israel und 1000 geflogenen Luftangriffen im Gazastreifen, kommt der Konflikt zwischen der Terrororganisation Hamas und dem Staat Israel noch immer nicht zum Ende. Trotz dem Drängen der Weltgemeinschaft auf ein Waffenstillstandsabkommen, heulten auch dieses Wochenende wieder ständig die Sirenen im jüdischen Staat. Hunderte Israelis sind seit dem Beginn des Raketenterrors vor einer Woche verletzt worden und zehn Menschen verloren bereits ihr Leben. Unter ihnen befinden sich ein 5-jähriger Junge, eine 16-jährige Teenagerin und ein Mann, der aufgrund seiner Behinderung keinen Luftschutzraum aufsuchen konnte. Angesichts dieser nicht dagewesenen Beschusssituation, erfolgte eine scharfe Reaktion des israelischen Militärs. Bei der Vernichtung taktischer Ziele kam es nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza auch zu zahlreichen zivilen Opfern.

In der Nacht zum Montag flogen erneut die Raketen auf die südlichen Städte Beerscheba und Ashkelon. Die Küstenstadt hat unter dem jüngsten Konflikt stark gelitten. Täglich werden die dort ansässigen Bewohner von Sirenen in den nächstgelegenen Luftschutzraum geschickt. Daraufhin flog Israel am frühen Montagmorgen zahlreiche Luftangriffe, unter anderem auf die Wohnhäuser von insgesamt neun Hamas-Offizieren. Bislang gibt es keine Berichte über Todesopfer.

Die Hamas-Taktik menschlicher Schutzschilde scheitert

Am Wochenende ist in Gaza ist ein Gebäude von Medienvertretern, unter anderem der internationalen Presse, von Israel ins Visier genommen worden. Vor der Zerstörung des Komplexes warnte die Armee die dort anwesenden Journalisten vor. Sie konnten die Räumlichkeiten rechtzeitig verlassen und sich in Sicherheit bringen. In dem Gebäude sollen sich Büros der paramilitärischen Elite der Hamas befunden haben. Das Haus des Haus des Hamas-Chefs Jihia al-Sinwar wurde ebenfalls beschossen. Einen Tag später, am Sonntagmorgen, bombardierte Israel Ziele in Gaza-Stadt. Ins Fadenkreuz genommen wurden unterirdische Anlagen der Gruppierung, die sich unter einem Wohnviertel befanden. Bei den israelischen Angriffen kam es zu 42 Toten. Damit scheint sich zu bestätigen, dass sich die Hamas-Führung weiterhin der Taktik menschlicher Schutzschilder bedient, im Wissen, dass Israel seinerseits möglichst zivile Opfer zu vermeiden sucht.

Offensichtlich ist, dass das Bombardement der Miliz eine israelische Reaktion hervorrief, die die Terrororganisation nicht einkalkuliert hat. Es könnte sein, dass aufgrund der instabilen politischen Situation in Israel angenommen wurde, dass es zu keiner starken, einheitlich organisierten Antwort kommen würde. Der Schock in Gaza über die verheerenden Folgen ist groß.

Israel will Hamas um Jahre zurückwerfen

Laut der Hamas nahestehenden Behörden haben 197 Palästinenser im Gazastreifen seit Ausbruch der jüngsten Kämpfe vor einer Woche ihr Leben verloren. Darunter sollen sich über 50 Personen unter 18 Jahren befunden haben. Generalstabschef Aviv Kohavi betonte in einer offiziellen Erklärung, dass es sich bei den Toten hauptsächlich um Mitglieder der Terrororganisation Hamas handle. Er erklärte: „Jede Bombe wird auf der Grundlage von Geheimdienstinformationen auf ein Ziel abgeworfen. Unsere Treffsicherheit ist sehr genau und wir tun alles, um zu vermeiden, dass Zivilisten getroffen werden – auch wenn das nicht immer einfach ist.“ Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Benny Gantz deuteten beide an, dass Israel sich nicht auf einen vorschnellen Waffenstillstand einlassen will. Die militärische Strategie zielt darauf ab, die Hamas in ihrer Entwicklung um Jahre zurückzuwerfen und den Führungskader auszuschalten.

Die harte Antwort Israels ist der höchsten Frequenz an Raketenangriffen seit dem Gaza-Krieg im Jahr 2014 geschuldet. Während seither vornehmlich Ziele im Umkreis der Küsten-Enklave beschossen wurden, handelt es sich bei den jüngsten Attacken um gezielte Offensiven auf Stützpunkte der israelischen Infrastruktur. Beispielsweise wurde der Flughafen Ben-Gurion und das Erdgaswerk im Mittelmeer anvisiert. Aber auch Wohngebiete befinden sich immer noch unter Beschuss. In Aschkelon schlug eine Rakete in der Synagoge “Yad Michael” ein. Im Kibbuz Nahal Oz wurde ein Jugendzentrum zerstört und die Stromversorgung der Ortschaft getroffen. Am Sonntag wurde ein achtmonatiges Baby verletzt, als seine Mutter sich in einem Luftschutzraum in Sicherheit brachte.

Inländische Gewalt: Sieben Beamte bei Terrorattacke verletzt

In Israel bereitet den Bürgern nicht nur der Konflikt am Gazastreifen, sondern insbesondere auch das Phänomen der Mobgewalt große Sorge. In den gemischt arabisch-jüdisch Städten des Landes, fürchten Menschen um ihr Leben aufgrund der jüngsten Lynchmorde. Auch Brandstiftung, wie etwa in einer Synagoge in Lod, aber auch das Anzünden von Fahrzeugen und Straßenbahnhaltestellen ist inzwischen an der Tagesordnung. Der Inlandsgeheimdienst verhaftete am Sonntag israelische Beduinen, die unter Verdacht stehen, einen Mordversuch an vier jüdischen Autofahrern unternommen zu haben. In der Nachbarschaft Sheikh Jarrah, die im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen zwischen der israelischen Polizei und arabischen Demonstranten steht, ist es zu einer Terrorattacke gekommen. Ein Autofahrer auf der Nabulus-Straße fuhr in eine Gruppe Grenzpolizisten. Der Terrorist wurde von den Sicherheitskräften vor Ort erschossen. Es wurden jedoch sieben Beamte verletzt.

Der aktuelle Konflikt verzeichnet die höchste Rate an Raketenangriffen seit vielen Jahren. Laut dem israelischen Generalmajor Ori Gordin, eskaliert der Konflikt schneller als der Libanon-Krieg im Jahr 2006, der gegen die dort ansässige Terrororganisation Hisbollah geführt wurde. Damals wurden innerhalb von 19 Tagen rund 4500 Raketen auf Israel gefeuert. Aber nicht nur die Intensität der sogenannten Operation „Wächter auf den Mauern“ hat die Menschen, die sich eigentlich nach dem Ende der Coronakrise in Feierlaune befanden, aufgeschreckt. Vor allem die Gewaltausbrüche sorgen auf den Straßen des jungen Staates derzeit für Angst und Schrecken. Wer an das friedliche Zusammenleben in Haifa oder Akko gewähnt ist, kann die neue Realität herumziehender Mobs auf der Suche nach Opfern kaum begreifen. Denn selbst wenn sich der Konflikt an der Grenze zum Gaza wieder legen sollte, bleibt weiterhin unklar wie die Polizei den Ausbruch inländischer Gewalt unter Kontrolle bekommen kann.

Bericht: Fokus Jerusalem

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